Sechs ultimative Tipps zum Korrekturlesen

Lebhaft kann ich mich daran erinnern, wie stolz ich als junger Redakteur auf meinen ersten selbst geschrieben Artikel war. Die Ernüchterung folgte, als mir beim Aufschlagen der gedruckten Zeitschrift ein Tippfehler im Fließtext auffiel: Ein fehlendes „w“ machte aus einer Datenverwaltung eine ziemlich nutzlose Sache.

Ich fragte mich daraufhin: Warum übersehen wir trotz größter Sorgfalt immer wieder Fehler in unseren Beiträgen, Artikeln und E-Mails? Und wie gehen Menschen damit um, die täglich mit Texten zu tun haben? Das größte Problem beim Korrigieren ist unser Unterbewusstsein: Wenn der Text stimmig ist, lesen wir über manchen Lapsus hinweg. Das gilt besonders für eigene Texte – schließlich wissen wir bereits, was wir sagen wollen. Die Augen huschen im Blindflug über das Geschriebene, das Gehirn schaltet auf Autopilot und die Aufgabe erhält nicht die volle Aufmerksamkeit.

Glücklicherweise können wir mit planvollem Vorgehen dafür sorgen, dass unsere Texte fehlerfrei sind – zumindest weitgehend. Die folgenden Tipps stammen aus meiner Erfahrung und können auch dir dabei helfen, bessere Texte unter die Menschen zu bringen.

1. Bearbeiten versus Korrektur lesen

Zunächst einmal eine Begriffsklärung: Von einer Bearbeitung spreche ich dann, wenn ich größere Änderungen vornehme, die Textstruktur überarbeite oder an Formulierungen schleife. Hier liegt der Fokus klar auf den inhaltlichen Aspekten. Das Korrekturlesen ist eine abschließende Tätigkeit, die in den Bereich der Schlussredaktion fällt. Hier geht es um sprachliche und formale Korrektheit. Natürlich kann der Übergang zwischen der Bearbeitung eines Textes und dem Korrigieren fließend sein.

2. Vom richtigen Zeitpunkt

Wenn ich schreibe, ist die Rechtschreibhilfe meist angeschaltet. So vermeide ich bereits am Anfang die gröbsten Schnitzer und Buchstabendreher. Andere Autoren wollen in dieser Phase des ungestümen, kreativen Drauf-los-Schreibens nicht von einem eingebauten Besserwisser gestört werden und verzichten darauf. Beides ist in Ordnung.

Doch spätestens während der Überarbeitung und Konsolidierung des Textes sollte der Assistent hinzugezogen werden. Denn je früher ein Fehler entdeckt und korrigiert wird, desto besser. Deshalb habe ich mir angewöhnt, in dieser Phase jeden Absatz sofort und sorgfältig zu lesen. So komme ich den Fehlern auf die Spur, die die Rechtschreibprüfung nicht aufdecken konnte – unter anderem Trümmerteilen von umgestellten und überarbeiteten Sätzen.

Auch wenn ich in den frühen Phasen den Schwerpunkt auf die inhaltlichen Aspekte lege, so begleiten Korrekturen doch den gesamten Entstehungsprozess.

3. Kenne deine Lieblingsfehler

In Zeiten der Autokorrektur dürfte der ehemals häufigste Fehler kaum mehr vorkommen: Buchstabendreher als Folge von zu schnellem Schreiben werden meist automatisch erkannt und behoben. Früher war dies mit Abstand der häufigste Fehler. Ich war mir darüber im Klaren und dieses Wissen half mir, die meisten Vorkommnisse zu entdecken und zu korrigieren. Wichtig ist, dass du dir darüber im Klaren bist, welche Fehler du häufig machst. So kannst du sie in den meisten Fällen schnell finden oder durch entsprechende Einträge im Wörterbuch der Rechtschreibkorrektur vermeiden.

4. Lasse den Text liegen

Wenn ich geplante Social-Media-Beiträge oder Artikel schreibe, lasse ich sie mindestens einen Tag liegen und lese sie mir dann noch einmal durch. Durch die zeitliche Distanz sehe ich mehr Fehler und krude Formulierungen fallen stärker auf.

5. Nutze Tools, aber verlasse dich nicht darauf

Die meisten Textprogramme bieten heutzutage eine Rechtschreibprüfung – teilweise mit Autokorrektur, automatischer Ergänzung, Grammatik-Prüfung und anderen Features. Ich möchte diese Helferlein nicht missen, aber ich verlasse mich nicht auf sie, denn semantische Feinheiten entgehen ihnen. Für eine erste Prüfung sind diese Programme durchaus geeignet.

Wesentlich leistungsfähiger als die meisten Rechtschreibprüfungen sind spezialisierte Tools. Mein persönlicher Favorit ist languagetool.org, da es Grammatik-, Stil- und Rechtschreibprüfung bietet und mehrere Sprachen beherrscht.

Um ein aufmerksames Lesen kommst du jedoch nicht herum.

6. Drucke den Text aus

Leider ermüden unsere Augen durch die Arbeit am Bildschirm recht schnell und unser Lese-Workflow ist dort anders als beim bedruckten Papier: Wir springen häufiger zwischen den Zeilen und lesen weniger aufmerksam. Deswegen drucke ich wichtige Texte aus und korrigiere sie zuerst auf dem Papier. Dabei achte ich auf viel Weißraum und Platz für Anmerkungen und Korrekturen, die ich abschließend in die digitale Version übertrage.

Tipp: Wenn du häufig Texte anderer Personen korrigieren solltest, lohnt es sich, die weitgehend einheitlichen Korrekturzeichen ([https://www.typolexikon.de/korrekturzeichen/]) zu lernen.

Wenn ein Ausdruck nicht möglich oder sinnvoll ist, kannst du dir auch mit dem Bildschirm behelfen: Stelle dein Textprogramm auf den Fokusmodus, der alle ablenkenden Funktionen deaktiviert. Nutze eine große Schrift und großzügige Zeilenabstände, damit du dich auf den Text konzentrieren kannst.

Schlussfolgerung

Wenn man die Aufgabe des Schreibens ernst nimmt und das abschließende Korrekturlesen als Teil des Schreibprozesses betrachtet (und nicht als lästige Pflicht), lassen sich viele Fehler vermeiden. Planvolles Vorgehen, spezialisierte Tools und Sorgfalt helfen dabei.


Wenn deine Texte nicht nur korrekt, sondern auch überzeugend sein sollen, empfehle ich dir meine Tipps für spannendere Texte.

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